Wir unterscheiden zwischen zwei Arten von Sehschädigungen: okuläre und zerebrale Sehschädigung. Wenn die Störungen im und ums Auge oder am Sehnerv liegen, wird von okulärer Schädigung gesprochen. Kann das Gehirn die visuellen Reize nicht angemessen verarbeiten, liegt eine zerebrale Sehschädigung vor.
Zum besseren Verständnis können wir uns hierzu des Modells eines „Was-„ und eines „Wo-Systems“ bedienen: Das „Was-System“ ist für das erkennende Sehen zuständig. Es ist auf der Netzhaut am Punkt des deutlichsten Sehens (Makula) lokalisiert und wichtig, um die Details zu erkennen. Visuell anspruchsvolle Beschäftigungen im Nahbereich wie Lesen, Malen, Schneiden, aber auch das Identifizieren von Gesichtern und Beurteilen von Mimik erfolgen über das „Was-System“.
Im Gegensatz dazu steht das „Wo-System“. Es lokalisiert Gegenstände und Bewegungen in der Peripherie des Gesichtsfeldes und ist damit entscheidend für die Orientierung und das Wahrnehmen von Bewegungen.
Je nachdem, welches System nun betroffen ist, entstehen für einen Menschen andersartige Beeinträchtigungen, die auch unterschiedlich unterstützt werden müssen. Geht es bei Ausfällen im „Wo-System“ um Massnahmen, welche die Orientierung und die Mobilität verbessern, kann Defiziten beim „Was-System“ mit einer gezielten Beleuchtung oder vergrössernden Sehhilfen, z.B. Lupen, begegnet werden. |