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LKH Schweiz wurde am 29. Oktober 1994 in Luzern vor 151 Personen - weit mehr als erwartet - gegründet. LKH Schweiz ist der erste und einzige Verband für Gehörlose der Schweiz, der von den Betroffenen selbst gegründet wurde, geleitet wird, sowie in denen nur Betroffene Stimm- und Wahlrecht haben können und darüber hinaus sich für Gehörlose einsetzt, die lautsprachlich kommunizieren. Es können gemäss Statuten ausschliesslich Hörbehinderte wählen und gewählt werden. Damit ein solcher Verband überhaupt entstehen konnte, musste erst eine Generation Gehörloser heranwachsen, die auditiv-verbal geschult wurden.

Entwicklung der auditiv-verbalen Methode

In den 1950er Jahren entwickelten die ersten Pädagogen die so genannte auditiv-verbale Schulung Gehörloser. Die Idee dabei ist, den Gehörlosen sowohl das Sprechen als auch das Hören zu lehren und zu trainieren. Das Lehren des Sprechens ist zwar ein uraltes Ziel, doch das Ziel, auch das Hören zu trainieren, war neu. Aber erst mit allmählich aufkommenden technischen Hilfsmitteln wurde dies möglich. Während den 1960-er Jahre wurden erstmals Taschenhörgeräte erhältlich, die auch für hochgradig Hörbehinderte von Nutzen waren. Doch noch waren diese einerseits gerade an der Grenze Ihrer Leistungsfähigkeit, andererseits eher umständlich zu tragen, da sie klobige Taschengeräte waren. Damit wurden sie - weil sie zudem anfällig auf Defekte waren - nicht gerne bei kleinen Kindern eingesetzt. Im Lauf der Zeit wurden die Geräte jedoch kleiner, besser und robuster. Ende der 1970-er Jahre gelangten dank der industriellen Weiterentwicklung der ersten Computerchips die ersten Hinter-dem-Ohr (HdO) Geräte auf den Markt. Damit begann sich die auditiv-verbale Schulung immer stärker durchzusetzen.

Gegenbewegung der auditiv-verbalen Schulung

Die 1980-er Jahre läuteten unter dem Eindruck der Bewegung in den USA auch in der Schweiz eine neue Ära ein: Gehörlose emanzipierten sich und riefen die Gebärdensprachkultur aus. Rückblickend ist diese Bewegung verständlich, wurde doch damals noch vielerorts Gehörlosen verboten, die Gebärdensprache zu benutzen. Damals, als die auditiv-verbale Schulung noch in den Kinderschuhen steckte, war dies eine absolut berechtigte Reaktion. Doch bereits wuchs eine völlig neue Generation Gehörloser an, die noch minderjährig waren und daher an dieser Debatte noch nicht teilnehmen konnten.

Obschon 1977 am Universitätsspital Zürich bereits die erste Implantation eines Cochlea Implantates an einem spätertaubten Patienten erfolgte, wurde erst Anfangs der 1990-er Jahre die ersten gehörlos geborenen Kinder implantiert. Dies und andere Ereignisse führten zu mehreren Demonstrationen Gehörloser in Zürich, die gegen das Cochlea Implantat demonstrierten. Mehr und mehr wurde deutlich, dass Gehörlose Kinder, die auditiv-verbal geschult wurden, politisch nicht mehr länger durch den die Gebärdensprache unterstützenden Verband SGB (Schweizerischer Gehörlosenbund) vertreten wurden.

1994: Höhepunkt des Sprachenstreits

1994 entschlossen sich die ersten erfolgreich mit der auditiv-verbalen Schulung aufgewachsenen Kinder, einen eigenen Verband zu gründen, in der sie sich politisch vertreten fühlten. Es entstand durch die starke Bewegung der Gebärdensprachkultur den falschen Eindruck in der Öffentlichkeit, dass Gehörlose Menschen nicht in der Lage seien, lautsprachlich zu kommunizieren. Diesem Eindruck wollte LKH Schweiz mit Hilfe einer entsprechenden Aufklärung der Öffentlichkeit begegnen. Gleichzeitig wurde durch die erfreuliche Emanzipation der Behinderten auch in der Öffentlichkeit und Politik immer stärker bewusst, dass Behinderte sich selber vertreten wollen und müssen. Das bedeutet beispielsweise die Vertretung gegenüber der Invalidenversicherung, gegenüber den Berufsverbänden der Fachleute und gegenüber Institutionen wie Spitälern und so weiter. Dies war ein weiterer entscheidender Grund zur Gründung des LKH Schweiz.
Es kam wie es kommen musste: Die beiden Verbänden prallten mit ihren Ideologien heftig aufeinander, auf beiden Seiten wurden die Verbände gegenseitig hart kritisiert. Als LKH Schweiz auch den Antrag an die Generalversammlung des SVG (Schweizerischer Verband für das Gehörlosenwesen, heute Sonos) stellte, in der SVG einen Einsitz haben zu dürfen, wurde dies durch den SGB blockiert. Einen weiteren Höhepunkt des Sprachenstreits erlebte die Schweiz erst 1998 mit dem Scheitern des so genannten Projekts „Pro G-2000“ wieder, der in den Austritt des SGB aus dem SVG mündete. Damit wurde auch die Aufnahme des LKH Schweiz in den SVG ermöglicht; ein Jahr später wurde LKH Schweiz mit überwältigender Mehrheit in den Dachverband aufgenommen.

Situation heute

Die politische Landschaft, in der sich LKH Schweiz heute befindet, hat sich drastisch verändert. Die Emanzipation der Behindertenbewegung dauert zwar noch immer an, doch es zeichnet sich unter anderem durch die Behinderteninitative aus dem Jahr 2003 und der 5. IV-Revision immer stärker ab, dass Behinderte endlich auch in der Schweiz zu einer politisch nicht zu vernachlässigenden Kraft werden. LKH Schweiz engagierte sich für die so genannte Behinderteninitiative, über die am 18. Mai 2003 abgestimmt wurde. Die Behinderteninitiative hatte zum Ziel, Behinderte den Nichtbehinderten rechtlich gleich zu stellen. Die Intiatiative wurde zu Gunsten einer viel schwächeren Gegenvorlage, die den Status Quo nur geringfügig verbessert, des Bundesrates abgelehnt. Es gibt für LKH Schweiz noch viel zu tun.

Das Cochlea Implantat hat sich in der Schweiz mittlerweile durchgesetzt, auch bei Kindern. LKH Schweiz war bei der Gründung der CI IG Schweiz 2004 zusammen mit der damaligen SPEKO (Spätertaubtenkommission der pro audito schweiz, wurde 2004 mit der Gründung des CI IG aufgelöst). LKH Schweiz engagiert sich für die stärkere Akzeptanz des Cochlea Implantates sowie für die Aufklärung der Öffentlichkeit darüber. Seit kurzem finanziert die Invalidenversicherung, wie schon bei den Hörgeräten seit langem selbstverständlich, beidseitige Versorgung mit dem Cochlea Implantat. Doch dies wird leider noch nicht bei allen finanziert. Auch hier gibt es für LKH Schweiz noch viel zu tun.

LKH Schweiz und SGB haben inzwischen ihr Verhältnis zu einander stark verbessert, doch für ein normales und ein mit gegenseitigem Respekt gezeugtes Verhältnis muss leider noch ein längerer Weg gegangen werden. LKH Schweiz anerkennt seit 2007 die bilinguale Erziehung (Lautsprache und Gebärdensprache), weist aber unermüdlich darauf hin, dass der Lautsprache auf Grund der Wichtigkeit im sozialen und beruflichen Leben höchste Priorität zukommen muss. LKH Schweiz hat seit längerem zum Ziel gesetzt, politische Ziele, die gemeinsam verfolgt werden könnten, auch gemeinsam zu verfolgen. Auch hier gibt es für LKH Schweiz noch viel zu tun.

 
     
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