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JAHRESBERICHT 2007 DER PRÄSIDENTIN pdf  /  drucken
 
 

Liebe Aktiv- und Passivmitglieder
Liebe Kollektivmitglieder und Gönner

Das Jahr 2010 stand ganz im Zeichen der zukünftigen Hörgeräteversorgung. LKH Schweiz konnte sich mit Stellungnahmen und an diversen Meetings ihre Stimme aktiv einbringen.

Lesung mit Sarah Neef

Am 3. März 2010 organisierten wir in Basel in der Buchhandlung Bider & Tanner erstmals eine Lesung mit der gehörlosen Sarah Neef aus Deutschland. Eine hervorragende Möglichkeit, der hörenden Bevölkerung aufzuzeigen, dass Gehörlose dank einer konsequenten lausprachlichen Erziehung in jungen Jahren sehr gut sprechen lernen und sich einen breiten Wortschatz aneignen können.

Das Interesse der Basler Bevölkerung an der Lesung übertraf unsere Erwartungen. Die Lesung war ausverkauft. Über 200 Ohrenpaare nahmen an jenem Mittwochabend in der Buchhandlung ihre Plätze ein.

Die Lesung wurde von Marianne Gegeckas, unsere PR Verantwortliche des LKH Schweiz, souverän begleitet. Nach der kurzen Begrüssung der Zuhörer übernahm Sarah Neef das Wort und begann stilsicher und routiniert aus ihrem Buch vorzulesen. Sie frischte ihre Vorlesung immer wieder mit persönlichen Anekdoten auf und erntete aus dem Publikum öfters ein Schmunzeln. Die anschliessende Fragerunde zeigte deutlich, wie notwendig und wichtig es ist, solche Aufklärungsarbeit zu leisten. Für die allermeisten Zuhörer war es ein Novum, einer gehörlosen Person zuzuhören, die klar und deutlich spricht. Die Klischees - Gehörlose könnten nicht sprechen - mussten wohl viele an diesem Abend revidieren. Bei der Signierstunde am Schluss des Abends war beim Anstehen etwas Geduld gefragt. Viele Zuhörer waren von der Lesung so beeindruckt, dass sie nicht ohne Signatur der Autorin im Buch auf den Heimweg machen wollten.

Über den gelungenen Abend freuten wir uns ausserordentlich. Positive Rückmeldungen aus dem Publikum, das grosse Interesse für solche Veranstaltungen bestärkt uns darin, weitere solche Öffentlichkeitsarbeit zu organisieren. Ein grosser Dank gebührt die Buchhaltung Bider & Tanner, welche unser Event von zu Beginn an tatkräftig unterstützte und die verschiedenen Gönner, welche die Lesung finanziell unterstützten.

Hörgeräteversorgung

Die Aufgabe der Invalidenversicherung besteht darin, Behinderte in die Arbeitswelt zu integrieren, bei Hörgeschädigten für eine bessere Versorgung der stark hörgeschädigten Menschen und deren Integration in die Gesellschaft und Arbeitswelt zu sorgen. Genau diese Aufgabe, wie sie in der Verfassung steht (!) wird mit der neuen Verordnung zur Hörgeräteversorgung zunichte gemacht, die am 1. Juli 2011 in Kraft treten soll. Doch zunächst der Reihe nach:

Das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) muss sparen. Ihr Ziel, die Bundeskasse für Hörgerätezahlungen jährlich um 20 Millionen Franken zu entlasten, wollen sie mit einer staatlichen Hörgerätebeschaffung lösen. LKH Schweiz hat sich bisher stets gegen eine staatliche Ausschreibung der Hörgeräte gewehrt, da dies ein Nachfragemonopol durch das BSV zu Folge gehabt hätte, das nicht den Hörbehinderten zugute gekommen wäre, sondern vor allem der Kasse des BSV. Dieses Vorhaben hätten Innovationen verhindert, den Service bei den Akustikern abgebaut und nach internationalen Erfahrungen zu monate- oder sogar jahrelangen Wartelisten geführt. Dies ist eine klare Bevormundung der Hörbehinderten. Es gibt bessere Lösungsansätze als Ausschreibungen. Beispielsweise den echten Wettbewerb durch den Endabnehmer selbst - den Patienten.

Die Ausschreibung wurde zur Jahresbeginn 2009 durch das Bundesverwaltungsgericht als verfassungswidrig eingestuft. In der Sommersession 2010 wurde die Möglichkeit der Ausschreibung zu unserem Bedauern vom Parlament jedoch als „Ultima Ratio“ aufgenommen. Seitdem war das BSV gefordert, neue Sparlösungen zu suchen. Es war für sämtliche Akteure in der Hörgeschädigtenszene ein sehr unschönes Weihnachtsgeschenk: Das BSV plant einen fixen Kostenbeitrag von CHF 840.-, unabhängig vom Hörverlust. Mehr noch: Die gesamte Qualitätskontrolle soll wegfallen. Damit wird der Scharlaterie Tür und Tor geöffnet, das eidgenössische Diplom für einen Hörgeräteakustiker wird nicht mehr benötigt. Einmal mehr werden mittel- und insbesondere hochgradige Hörgeschädigte abgestraft. Das wollen wir Betroffene nicht hinnehmen! Die Fortsetzung dieser Geschichte folgt im Jahresbericht 2011.

Generalversammlung im April

Die 16. ordentliche Generalversammlung fand in den Räumlichkeiten des CI-Herstellers Cochlear AG statt. Philipp Keller, der den LKH Schweiz während 8 Jahren leitete, trat zurück, bleibt dem Verein aber als Vizepräsident erhalten. Seine Arbeit wurde mit einer amüsanten Powerpoint-Präsentation gewürdigt und verdankt. Die Präsidentschaft übernahm Maja Brumm. Mit ihr erhält der Verein die erste Präsidentin. Gabriela Frei ersetzte Andrea Zihlmann, die nach 3-jähriger Tätigkeit Ihr Amt zur Verfügung stellte.

Dominik Feusi, unser Gast an der GV, Geschäftsführer von „hörenschweiz- Informationen für gutes Hören“, ergriff am Schluss der GV die Initiative um ein paar Worte an die Teilnehmer zu richten. Er erzählte uns eindrückliche Hintergrunddetails über die unkooperativen Zusammenarbeit mit BSV zum Thema zukünftige Hörgeräteversorgung. Das BSV ist nur daran interessiert, am Ende jährlich 20 Millionen Franken für Hörgerätezahlungen einsparen zu können. Welche gravierenden Konsequenzen insbesondere die hochgradig Hörgeschädigten von ihrer Lösungsstrategie zu tragen haben, zeigen sie sich uneinsichtig.

Nach Ende der GV durften wir die neuen Räumlichkeiten im modernen Neubau von Cochlear AG besichtigen. Ein feiner Apéro am Schluss der Führung rundet den gelungenen Abend ab. Ein herzliches Dankeschön an das Cochlear-Team für ihre Gastfreundschaft!

Vertretungen

Maja Brumm, Präsidentin, und Philipp Keller, Vizepräsident, nehmen als Vertreter des LKH Schweiz in der CI Interessengemeinschaft Schweiz Einsitz. Für uns spielt das Cochlea-Implantat (CI) beim Erwerb der lautsprachlichen Kommunikation eine zentrale Rolle. Dank dieser technischen Innovation sind gehörlose Menschen in der Lage, mit logopädischer oder audiopädagogischer Unterstützung hören und sprechen zu lernen. Am 13. November 2010 ging in St. Gallen das 5. CI-Forum erfolgreich über die Bühne und stand ganz im Zeichen der Technik und der Zusatzgeräte.

Seit vielen Jahren nimmt Patrick Röösli, LKH-Mitglied und selbständiger Architekt FH/SIA, als Stiftungsratsmitglied in der Fachkommission „Bauen für Hörbehinderte und Gehörlose“ teil.

Seit Sommer 2010 ist Marianne Gegeckas im Sonos Vorstand als Vertreterin der Hörgeschädigten.

Dank

Das ist mein erster verfasster Jahresbericht als frischgebackene Präsidentin des LKH Schweiz. Ich durfte in diesem Jahr viel Neues lernen, auch wenn ich seit 6 Jahren im Vorstand tätig bin. Ich bedanke mich bei den Vorstandsmitgliedern, dass sie meine anfängliche Unsicherheit als Präsidentin mit Humor und Gelassenheit aufgenommen haben und mir geholfen haben, meinen Weg zu finden.

Dieses Jahr spielte die Vereinsarbeit sehr viel im „Hintergrund“ ab, besonders zum aktuellen Thema der zukünftigen Hörgeräteversorgung. Uns war es wichtig, unsere Mitglieder regelmässig per E-Mailing über Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten. Im Gegensatz zu den E-Newslettern erhalten nur die Mitglieder von uns das interne E-Mailing, worin wir mitgliederspezifische Informationen verpacken.

LKH Schweiz ist im Vergleich zu den anderen Organisationen ein kleiner Verein, doch wird er gerade jetzt wieder verstärkt benötigt und in diversen Meetings eingebunden. In Diskussionen um die Hörgeräteversorgung ist jede Stimme von Direktbetroffenen von grosser Bedeutung. Wir stehen in dieser interessanten und anspruchsvollen Verantwortung gegenüber anderen lautsprachlich orientieren Hörgeschädigten.

Wir engagieren uns vorwiegend im sozialpolitischen Umfeld oder betreiben Öffentlichkeitsarbeit in Form von Sensibilisierung der hörenden Gesellschaft und Politik, dass jenseits der Gebärdensprache auch noch andere hörbehinderte Betroffene gibt, die gesehen und gehört werden wollen. Viele lautsprachlich erzogene Hörgeschädigte engagieren sich lieber in regionalen Freizeitvereinen oder gar nicht - ohne sich bewusst zu werden, dass die lautsprachliche Förderung schleichend unter die Räder kommt. Es ist aufschlussreich zu beobachten, wie gebärdensprachorientierte Verbände Politiker zu Vorstössen animieren können, die Gebärdensprache als obligatorische Erstsprache bei gehörlosen Kindern zu verankern. Gerade weil optimal versorgte und geförderte Kinder neben der Lautsprache keine weitere Sprache brauchen, fallen diese Hörgeschädigten nicht auf. Sie stellen die Mehrheit der Leute mit einer angeborenen Hörschädigung dar. Dagegen erhält der kleine Teil, welcher bevorzugt oder ausschliesslich in der Gebärdensprache kommuniziert, die volle Aufmerksamkeit. Es ist jedoch nicht die Aufgabe der Politiker, die Erziehung vorzuschreiben, sondern Wahlmöglichkeiten zu schaffen, so dass jeder nach seinen Bedürfnissen frei entscheiden kann!

Auch dieses Jahr wird die Diskussion zur zukünftigen Hörgeräteversorgung sehr intensiv weitergehen. Ebenfalls werden die gebärdensprachorientierten Verbände den Druck weiter aufrecht erhalten, die Erziehung hörgeschädigter Menschen in ihre gewünschte Richtung zu lenken.

Alleine kann LKH Schweiz nichts bewegen. Nur mit gemeinsamen Engagement, zusammen mit den LKH-Mitgliedern, den Hörbehindertenverbänden sowie den Herstellerfirmen, kann der LKH Schweiz seine Ziele erreichen. Wir freuen uns auf die weitere aktive und engagierte Zusammenarbeit!

Der Vorstand des LKH Schweiz sieht gespannt den neuen Herausforderungen entgegen und dankt allen, die sich unermüdlich für die Bedürfnisse und Interessen von uns Hörgeschädigten einsetzen.

Maja Brumm, Präsidentin
Luzern, 17. April 2011

 
     
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